Schildkröten


Schildkröten sind faszinierende Reptilien, die schon seit vielen Millionen Jahren auf der Erde wandern. Derzeit bekannt sind ca. 313 Arten mit mehr als 200 Unterarten und dennoch sind viele dieser Arten vom Aussterben bedroht. Eine grobe Einteilung der Schildkröten erfolgt in Land- und Wasserschildkröten. Weitere Unterteilungen sehen das Einteilen je nach Lebensraum vor, wie z.B. Flussschildkröten, Wüsten- oder Meeresschildkröten.

Ihrer hohe Anpassungsfähigkeit und der Tatsache, dass es nur wenige natürliche Feinde gibt, haben es Schildkröten zu verdanken, dass auch heute noch viele ihrer Arten existieren. Zu bewundern sind vor allem ihre außergewöhnlichen Sinnenleistungen und ihr beträchtliches Alter. Wer Schildkröten als Haustiere halten möchte, sollte sich über das jeweilige Essverhalten sowie über die geschlechtsspezifischen Unterschiede informieren. Ebenso wichtig ist das Wissen über die Paarung und Vermehrung der Schildkröten, besonders wenn mehr als ein Tier gehalten werden soll.

Die hohe Anpassungsfähigkeit ermöglichte die Langlebigkeit

Die wechselwarmen Kriechtiere sind extrem anpassungsfähig und leben auf nahezu allen Kontinenten mit Ausnahme des Polargebietes. In Europa leben mittlerweile gerade einmal noch 7 Schildkrötenarten, darunter drei Landschildkröten und vier Wasserschildkröten. Darunter ist besonders die Europäische Sumpfschildkröte bekannt.

Der Panzer ist das charakteristische Merkmal einer jeden Schildkröte. Auch wenn dieser je nach Art unterschiedlich ausfallen kann, ist er ein Meisterwerk der Natur. Er nimmt ca. 30% des Gesamtgewichtes ein und besteht aus Rücken- und Bauchpanzer. Hierbei besteht der Panzer aus einer Schicht aus massiven Knochenplatten sowie von Hornschilde. Der obere Panzerbereich ist dabei meist dem Lebensraum der Schildkrötenart farblich angepasst. Bei anderen Arten war die Form des Panzers Namensgebend, wie z.B. bei der Höckerschildkröte.
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Außergewöhnliche Sinnesleistungen

Schildkröten können sehr gut sehen und im Gegensatz zu Menschen haben sie vier statt drei Farbrezeptoren (wie alle Reptilien). Es ist ihnen somit möglich auch Infrarot bzw. Ultraviolett wahrzunehmen. Bei Wasserschildkröten wird der Brechungswinkel des Wassers durch die Linse ausgeglichen. Durch unterschiedliche Augenstellungen können Schildkröten zwischen einer räumlichen und einer Panoramasicht wechseln.

Zusätzlich zu den vermehrten Farbrezeptoren haben alle Schildkrötenarten einen starken Geruchssinn. Die Geruchsrezeptoren liegen im Rachenraum, daher Riechen Schildkröten durch kauende, pumpende Bewegungen des Unterkiefers und des Halses. Im Wasser lebende Tiere können auch unter Wasser riechen – es wird davon ausgegangen, dass sie dies auch über größere Entfernungen tun können.

Schildkröten haben zudem wider vieler Erwartungen auch Ohren. Mit ihren Innen- und Mittelohr könne sie vor allem tiefe Vibrationen wahrnehmen und aufgrund des fehlenden Außenohrs hohe Töne kaum hören. Zusätzlich zu den bisher beschriebenen Sinnesleistungen, haben jegliche Schildkrötenarten ein Schmerzempfinden, einen Temperatursinn sowie einen Gleichgewichtssinn. Des Weiteren können Schildkröten kognitive Fähigkeiten vorweisen, wie das Merken von Futterquellen oder Fluchtwege. Hierzu zählt auch ein ausgeprägter Orientierungssinn.
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Essenverhalten und geschlechtsspezifische Unterschiede

Schildkröten gelten als stumme Tiere. Zum Teil kann ein leichtes Fauch Geräusch beispielsweise in Schrecksituationen oder im Kampf vernommen werden. Bei einzelnen Arten können piepsende oder keuchende Laute beim Paarungsakt gehört werden. Lustigerweise können Landschildkröten bei zu schnellem Essen eine Art Schluckauf bekommen. Im Prinzip sind Schildkröten Allesfresser, je nach Art besteht lediglich eine Vorliebe für Fleisch oder pflanzliche Nahrung.  Im Laufe der Jahre haben sich die Zähne zurück gebildet und in Kieferleisten verwandelt, die nun als Schneidewerkzeug dienen. Ihr Essen verschlingen sie unzerkleinert oder sie reißen es zuvor in Stücke.

Die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern ist oftmals schwerer als bei anderen Tieren. Ein Unterscheidungsmerkmal kann die Kloake sein. Dies ist die gemeinsame Öffnung für das Ausscheidungs- und das Geschlechtsorgan. Bei Weibchen sitzt die Kloake näher am Panzerrand, bei männlichen Tieren hingegen ist sie eher am Schwanzende. Zudem ist der Schwanz länger und am Ansatz etwas breiter. Männliche Schildkröten können zudem einem stärker konkav geformten Bauchpanzer erkannt werden.

Weitere geschlechtstypische Merkmale je nach Art sind verlängerte Vorderkrallen bei männlichen Schmuckschildkröten oder der unterschiedlichen Färbung der Iris bei Dosenschildkröten.
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Paarung und Vermehrung der Schildkröten

Auf Menschen wirkt der Balz Akt vieler Schildkröten sehr grob. Üblich sind heftige Bisse oder Rammstöße gegen den Panzer. Die Paarungszeiten sind meist, je nach Witterungsbedingungen, im Frühjahr und/ oder Herbst. Nach erfolgreicher Kopulation ist es den weiblichen Schildkröten möglich die Samen über mehrere Jahre hin  zu speichern.

Schildkröten sind eierlegende Reptilien. Hierzu sucht das Weibchen einen passenden Eiablageplatz, den sie zumeist über Jahre hinweg beibehält. An diesem Platz gräbt sie mit ihren Hinterbeinen eine Grube, legt dort die Eier ab und gräbt sie üblicherweise wieder ein. Nur wenige Arten betreiben anschließend eine Brutpflege im Sinne einer Nestwache. Die abgelegten Eier sind je nach Art beschaffen. Da sie jedoch keine Hagelschnüre, an der Dotter drehbar aufgehängt ist, besitzen, dürfen die Eier nach Beginn des Wachstums nicht mehr gedreht werden.

Die Anzahl der befruchteten Eier variiert nach Art der Schildkröte. Zum Teil wird das Geschlecht dabei nicht vorbestimmt sondern anhand der Temperatur im Nest bestimmt. Beim Schlüpfen ritzt das Schildkrötenbaby das Ei auf, anschließend sprengt der gefaltete Panzer den Rest des Eies. Meist warten alle kleinen Schildkröten in der Nistgrube bis alle geschlüpft sind, um sich gemeinsam auszubuddeln. Zu keiner Zeit kann dabei auf den Schutz der Mutter gehofft werden.

Als besonderes Phänomen gilt die Suppenschildkröte. Sie hat das langsamste Jugendwachstum, so dass sie erst in einem Alter von 50 Jahren geschlechtsreif wird.
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Alter von Land- und Wasserschildkröten

Sowohl Land- als auch Wasserschildkröten können mehrere Jahrzehnte alt werden. Wobei Landschildkröten meist über 100 Jahre alt werden können, Wasserschildkröte bleiben meist unter 100. Als gut gepflegte Haustiere überleben viele Schildkröten 40 Jahre und mehr. Die älteste bekannte Schildkröte starb 2006 im geschätzten Alter von 256 Jahren.

Abhängig von der Art und vom Alter ist die Panzergröße. Viele Arten besitzen eine Panzerlänge von 10 bis 50cm. Riesenschildkröten hingegen machen ihren Namen alle Ehre und können über einen Meter groß werden. Beheimatet sind sie meist auf den Seychellen oder den Galapagos Inseln. Die kleinste männliche Schildkröte hat eine durchschnittliche Panzerlänge von 7,5 cm und ein Gewicht von gerade einmal 70g.

Gemäß dem Vorurteil, dass Schildkröten sehr langsam sind, legt die langsamste Schildkröte ca. 0,21 bis 0,48km in der Stunde zurück. Die Schnellste hingegen kann 35 km in der Stunde schaffen.
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Feinde der Schildkröten

Lediglich im Gelege bzw. als Schlüpflinge sind Schildkröten natürlichen Feinden wie Krabbeln oder Vögel ausgesetzt.  Im ausgewachsenen Alter haben sie neben Alligatoren nur sehr wenige Feinde, die sich an den harten Panzer trauen. Vor allem im China besteht jedoch weiterhin die Gefahr durch Menschen. Dort gilt die Schildkröte als besondere Delikatesse. Zusätzlich wird der Lebensraum durch die Menschen immer weiter verkleinert.

Viele Arten stehen jedoch kurz vor der Ausrottung, das sie erst spät geschlechtsreif werden. Seit 1975 wurde daher das Washingtoner Artenschutzabkommen ins Leben gerufen. Schildkröten, vor allem wenn sie als Haustiere gehalten werden, werden streng überwacht. Einige Arten müssen zu diesem Zweck angemeldet werden und ihre Besitzer fertigen regelmäßige Berichte an. So soll ein Aussterben gefährdeter Arten weitestgehend verhindert werden.

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